Illustration
25/08 2005:

FJS ĂŒber seine Neue...

SpĂ€tjahr 2004 hat es mich auf die Gosch gehauen, am Eingang der Schikane in Oschersleben kurz nach der BrĂŒcke. Ich hab' mir alle BĂ€nder in der rechten Schulter gezerrt, was ich auch knapp ein Jahr spĂ€ter immer dann spĂŒre, wenn ich mich blöd bewege. Also ziemlich oft.

 

Schon beim Sturz kam die Einsicht: "Schwabenleder haben mĂŒssen!". Denn wenn ich mit meinem Yamaha TZ 250-Oldie von 1979 sowas Ă€hnliches wie "Rennen fahren!" pflege, ist auch bei der GleichmĂ€ssigkeitsfahrerei des VfV das Risiko doch immer mit dabei. Wegen "No risk, no fun" wird das Adrenalin bis in die letzte Haarspitze unterm Shoei hochgetrieben. "No risk, no fun", aber bitte mit aller Kalkulation.

 

Also habe ich mir eine Schwabenleder anmessen lassen. Der Chef persönlich, Claus HĂ€mmer ist sein Name, lies es sich nicht nehmen, mit dem Maßband um mich herumzuspringen. Da ich Teuchert-Fan bin, war mir klar: Teucherts Schnitt und Farbgebung musste es sein. Denn so oft, wie der runterfĂ€llt und wieder aufsteht, als sei nix gewesen, kann es ja nur eine gute Kombi sein, die er anhat!

 



Schwabenleder
imTeuchert-Design




Dann klappt's
auch mit dem kurvigen ;-)


Der Claus und ich kennen uns seit Jahrzehnten. Einer respektiert den anderen. In den vielen Jahren hat er mir drei Lederkombis gemacht und keine hat richtig gepasst. Wir blieben dennoch Freunde, weil das nichtpassen der Schwabenleder wohl zu 90 Prozent an meiner badischen Figur lag und nur zu zehn Prozent an seinem Schnittmuster.

 

Nach fĂŒnf Monaten war meine neue Schwabenleder fertig. Claus' Mitarbeiter Robin hat sich wĂ€hrend dieser Zeit immer rĂŒhrend um meine Anliegen gekĂŒmmert, wenn ich zweimal die Woche anrief und fragte, wann meine neue Kombi nun endlich fertig sei. "Ist in der Schneiderei!" höre ich ihn heute noch sagen.

 

Die Abholung geriet zum Kultevent. Claus und Robin halfen mir rein. Stellten mich vor den Spiegel. Halfen mir wieder raus. Ziemlich fertig war ich danach, habe sie dann auf den BĂŒgel gehĂ€ngt und lange angeschaut. "Zu schön zum fahren" dachte ich mir, packte sie ein und fuhr nachdenklich nach Hause, um einen angemessenen Platz fĂŒr sie zu suchen.

 

Ich hĂ€ngte sie ans Heizungsrohr in meiner Werkstatt, setzte mich davor, öffnete ein TannenzĂ€pfle und rauchte eine. Es wurden zwei, drei ZĂ€pfle und noch mehr blaue Camel. Ich habe mir sozusagen Mut angetrunken, fĂŒr das, was kommen musste: Denn eine neue Kombi alleine anzuziehen und dazu noch eine neue Schwabenleder, das verlangt schon nach einem intensiven mentalen Training.

 

Nachdem die TannenzĂ€pfle langsam alle waren und ich allen Mut zusammen hatte, machte ich mich langsam fertig, sie anzuziehen. Und es hat geklappt: Ich musste nichtmal mein Weib aus dem Schlaf holen, damit sie mir hilft. Sie hĂ€tte ja doch nur gelacht. Komplett mit Daytona, Shoei und Held bin ich dann auf allen meinen SchĂ€tzchen probegesessen. Komisch, je höher der Lenker war, desto besser saß ich. Auf der R 1100 GS am besten.

 

In Ermangelung einer echten Probefahrtgelegenheit (und dem Wissen, dass die ZĂ€pfle fĂŒr mehr als 0,5 Promille gesorgt hatten) habe ich mich entschlossen, die neue Teuchert-Replica vor dem Computerbildschirm einzutragen. Alle meine Tippfehler wĂ€hrend dieser Zeit konnte ich wegen "Neue Scxhwobalederkomnbi passt noch nicht, Arm-, Hals- und Fingerbewreglkichkeit stark eingeschrĂ€nkt!" glaubhaft entschuldigen. Vier Stunden bin ich im Hanging-Off vor dem Computer gesessen. Die dabei verfasste Geschichte war nicht zu gebrauchen.

 

Heute ziehe ich sie schwupp! an, steige auf meine TZ, fahre ein paar Runden und komme dann auch alleine wieder raus. Die Schwabenleder gibt mir nicht nur das GefĂŒhl, gut angezogen zu sein, sondern sie vermittelt mir auch das Wissen, dass ich im Fall der FĂ€lle bestens geschĂŒtzt sein werde. Das Restrisiko im nicht kalkulierbaren Bereich ist auf ein Miniumum reduziert.

 

In diesem Sinne freue ich mich auf das nĂ€chste Mal: TZ warmlaufen lassen, Motor abstellen, Schwabenleder anziehen, Motorrad anschieben, losfahren, glĂŒcklich sein. Und danach TannenzĂ€pfle trinken, blaue Camel rauchen und an Claus und Robin ein "Danke vielmals" schicken.

 

Gruß FJS

 

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