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10/08 2005:

Mein Freund, der Lokomotivführer - oder: ein Japaner in Schotten

Heute bekam ich das Belegexemplar einer japanischen Motorradzeitschrift, die sich ausschließlich mit BMW-Boxermaschinen beschäftigt. BMW Boxer Journal heißt es, es wurde im Jahre 2000 gegründet. Es gehört zum ei-Verlag, in dem auch RIDERS CLUB erscheint, das berühmteste japanische Motorrad-Magazin. Chefredakteur ist ein gewisser Ken Nemoto, der in den 60er und 70er Jahren Grand Prix fuhr, unter anderem auf einer 250er Bridgestone Vierzylinder Zweitakter.

 

Ich war bei der Gründung dieser Zeitschrift quasi als Entwicklungshelfer dabei, denn von Oktober 1999 bis September 2000 arbeitet ich als Freelancer bei BMW Motorrad Japan. Zu dieser Zeit gab es schon das Heft BMW BIKES, das 1998 im Neko-Verlag gegründet wurde und heute sechsmal im Jahre erscheint – in 60.000 Auflage pro Heft und alle werden verkauft! Klar, dass Ken Nemoto ein weiteres BMW-Heft auf den Markt bringen wollte, also entschied er sich für ein Heft mit ausschließlich Boxer im Inhalt. 30.000 Stück bringt Nemoto-san pro Ausgabe zwei mal im Jahr an den Kiosk.

 


Die Ausgabe 6 hat auch zwei Seiten über den Schottenring Grand Prix 2001 zum Inhalt und dazu fällt mir folgende Geschichte ein. Im August 2002 war mein Freund Hideaki Shimizu bei mir zu Gast. Er hatte seine Frau und drei Kinder dabei; alle zusammen waren sie zum ersten Mal auf Deutschland-Tour: München, Berlin, Salzburg, Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt. Also schleppte ich ihn mit nach Schotten. Ganz formlos und ohne jegliche journalistische Akkreditierung bekam er seine Pressekarten für die ganze Familie (!) und es lief ihm das Herz über: BMWs überall, dazu italienische und englische Klassiker.

 

Shimizu ließ seine Familie Familie sein, vergrub sich den ganzen Tag im Fahrerlager und an der Rennstrecke, begeisterte sich an den zweibeinigen und zweirädrigen Oldies, Fotografierte wie ein besessener und hörte dem wunderbaren Sound mit offenem Herzen zu, sog alles in sich auf. Abends hatte er mindestens 20 Filme verknipst und war so fertig, dass er schon nach wenigen Metern auf dem Rücksitz meines Autos einschlief und bis Stuttgart nicht mehr aufwachte. Seine Familie ebenso. Ich kam mir vor wie in einer überfüllten japanischen U-Bahn zwischen Chiba-City und Tokyo Main Station...

 


Das BMW Boxer Journal veröffentlichte zwei Seiten über den Schottenring Grand Prix. Ich habe für Euch das Titelbild abgescannt und die beiden Seiten mit dem Bericht (Seiten 62/63, das Heft wird „von hinten“ gelesen!) ebenfalls. Ich denke, dass ich das ungefragt machen konnte; die Kollegen in Japan werden mir das Copyright dafür auch nachträglich erteilen.

 

Auch wenn ich die japanischen Schriftzeichen nicht lesen kann und manche Bilder sehr klein sind, sieht man doch, wie sehr der Kollege Hideaki Shimizu vom Tag in Schotten bewegt war. Sogar eine Streckenskizze ist abgebildet, das Programmheft, die Gastkarte und ein Teil des historischen Büchleins „72 Jahre Schottenring“.

 

Sicher entdeckt der eine oder andere VfV-Fahrer sich auf den Bildern, wenn sie auch sehr klein sind. Den VfV-Oldie <st1:PersonName>Gerd Gerdes</st1:PersonName>und den Schriftzug „Schwabengarage Göppingen“ habe ich schon mit bloßem Auge entdeckt, alles andere ist ein wunderbares Suchspiel: Wo bin ich in Japan?

 


Shimizu-san ist übrigens Lokomotivführer bei der japanischen Tokyo-Vorortbahn. Privat hat er eine wunderschone BMW R 69 S, eine R 1100 RS und eine MV 250. Vierrädrig bewegt er sich mit einem Toyota und zum Spaß besitzt er noch einen VW Käfer.

 

Domo arrigato, Shimizu-san, das heißt „Vielen Dank“ für diesen Bericht!

 

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