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Schnee? WeihnachtsbÀume?

Japan-Tagebuch Kapitel 04 - Anfang Dezember 1999

 

Weihnachten, Weihnachten. Man denkt als guter Deutscher an WeihnachtsmĂ€rkte, an GlĂŒhwein, an HolzhĂ€uschen, die echt selbstgemachte Handwerkskunst verkaufen, an Lebkuchen, an BratwĂŒrste. Nix davon gibt's hier, Weihnachten ist in Japan eine total kommerzialisierte Zeit, ein riesiges GeschĂ€ft. Klar ist Weihnachten bei uns auch ein RiesengeschĂ€ft und auf den WeihnachtsmĂ€rkten wird nix verschenkt. Aber hier ist's anders, denn was sollen die Japaner mit einem Weihnachtsmarkt, wo doch bis in den spĂ€ten Abend hinein in den BĂŒros gearbeitet wird? Auf einen japanischen Christkindlmarkt kĂ€me ja gar keiner hin?

 

Klar, haben sie WeihnachtsbĂ€ume aufgestellt mit Christbaumkugeln dran, und Blinklichtern, und Lametta, vor allem in den KaufhĂ€usern und Hotels. Die BĂ€ume dienen nur zur Dekoration der Jahreszeit, also nicht etwa zur "Besinnlichkeit". Sie flĂŒstern deswegen nicht, wie unsere BĂ€ume zuhause, "ErdenbĂŒrger, denke an Jesus Christus Geburt und an die unbefleckte EmpfĂ€ngnis der Mutter Maria, gehe in dich, werde Mensch!", sondern japanische TannenbĂ€ume rufen nur KAUFEN! KAUFEN! KAUFEN!

 

Diese WeihnachtsbĂ€ume, makellos geformt ĂŒbrigens, wie genormt sehen sie aus, stehen in ca. 2 x 2 Meter großen, erdgefĂŒllten Holzkisten als Sockel mit festgestampfter Erde drin. Darin sind kleine, vier- und fĂŒnfblĂ€ttrige BlĂŒmchen eingepflanzt, etwas grĂ¶ĂŸer als unsere KleeblĂ€tter, StiefmĂŒtterchen oder Vergissmeinnicht. Diese japanischen BlĂŒmelein sind so doll grĂŒn, rot, gelb und violett, dass man meint, sie seien aus Plastik. Sind sie aber nicht, sind echt.

 

 

 

Noch eine wahre Weihnachtsgeschichte aus Japan: Vor einigen Jahren war an der Außenfassade eines großen Kaufhauses in Tokyo ein ĂŒbergroßer Weihnachtsmann (kein Jesus Christus!) ĂŒberm Eingang aufgehĂ€ngt - an einem Kreuz! Also nicht etwa majestĂ€tisch daherschreitend, mit rot-weißem Umhang und verklĂ€rtem Blick, einem Sack mit Geschenken auf dem RĂŒcken oder gar zum Gebet gefalteten HĂ€nden, nein, der japanische Weihnachtsmann hing angenagelt am Kreuz. So hing der arme Hund ĂŒber die ganze Vorweihnachts-Verkaufszeit! Man hat's mir zwar nur erzĂ€hlt, aber ich glaub's wirklich.

 

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