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Besuch bei TAMIYA

Japan-Tagebuch Kapitel 05 - Ende November 1999

 

Neulich Freitags waren wir im TAMIYA-Werk in Shizuoka-City, ca. 250 km weg von hier hinter dem "heiligen Berg" Fuji-san. Die gr├Â├čte und bekannteste Modell-Fahrzeug-Marke der Welt ist ein wunderbarer Laden! In der Eingangshalle stehen eine Menge originaler Motorr├Ąder, Autos und F1-Renner herum. Ganze Gruppen von Kindern werden durch die Firma gef├╝hrt und auch deren erwachsene Begleiter zeigen kindliche Freude ob der bunten Spielsachen.

 

TAMIYA begann nach dem Krieg als kleiner Familienbetrieb f├╝r Holzspielzeug und stellte in den 60er Jahren auf Kunststoff-Modellbauk├Ąsten um. Eines der ber├╝hmtesten TAMIYA-Modelle ist die Honda CR 750, also das Motorrad, mit dem Dick Mann 1971 das 200 Meilen Rennen von Daytona gewann. Ich hab' noch einen zerschmissenen Torso zuhause herumliegen und kann mich noch dunkel an 1973 erinnern, wie ich den Kasten damals beim "Motorrad" entweder von Hansi Mai oder Ernst "Klack" Leverkus geschenkt bekam, das Modell gleich in stundenlanger Arbeit zusammenbaute und dar├╝ber die Zeit verga├č.

 

Die Startauflage eines neues TAMIYA-Modells betr├Ągt 100.000 Exemplare. ├ältere, nicht mehr lieferbare Modelle werden ab einer weltweiten Nachfrage von ca. 2.000 St├╝ck neu aufgelegt. TAMIYA ├╝berlegt sich, welches aktuelle BMW-Modell f├╝r ihren Markt attraktiv w├Ąre: R 1150 GS, R 1100 S oder gar die Boxer-Team-Rennmaschine? Es gab fr├╝her schon BMW Motorrad-Modelle im TAMIYA-Programm: R 75/5 mit Gl├Ąser-Verkleidung, R 90 S, R 100 RS, R 80/100 GS Paris-Dakar, die sich gut verkauften. Aber seitdem BMW Lizenzgeb├╝hren f├╝r die Nutzung des Logos verlangt, ist das Interesse von TAMIYA an BMW Motorradmodellen eingeschlafen.

 

Die Entscheidung f├╝r ein neues Motorrad-Modell f├Ąllt bei TAMIYA nicht etwa nach dem Bekanntheitsgrad der Marke oder gar nach der verkauften St├╝ckzahl des echten Fahrzeugs, sondern in erster Linie nach dem Design. So kommt es, dass im aktuellen TAMIYA-Programm Markt einerseits Bestseller sind wie z.B. Honda CB 750 F, CBR 1100 XX, Suzuki Katana, Yamaha R1, XV 1000 Virago und Kawasaki GPZ 400 R, aber auch reichlich "Markt-Flops" wie Moto Guzzi V10 Centauro und Bimota Tesi 1D 906 SR. Sehr erfolgreich auf dem Spielzeug-Markt sind Rennmaschinen wie Repsol-Honda NSR 500, Yamaha TZ 250 und Ducati 888/916.

 

Mein Kollege Ochiai-san, Technik-Chef bei BMW Japan, und ich kamen zu TAMIYA wegen einer eigenen Idee, n├Ąmlich ein aufgeschnittenes BMW Modell auf einer "Laufband-Strasse" auf den Markt zu bringen, bei dem sich nach Einschalten des Laufbandes die R├Ąder drehen, die Federung arbeitet, etc. Es wird derzeit von TAMIYA gepr├╝ft, wie viele St├╝ck man davon weltweit absetzen k├Ânnte, denn der Preis eines solchen Cut-Models ist ungleich h├Âher als eines Fertigbausatzes. Hinzu kommt noch die Laufband-Mechanik.

 

Doch die Chancen stehen gut, denn TAMIYA hat die meisten Technik-Bauteile im Programm, mit denen die Idee der "laufenden Stra├čenoberfl├Ąche" realisiert werden kann. Denn TAMIYA bietet doch tats├Ąchlich einen "Pr├╝fstand" f├╝r RC-Cars an, auf dem die "Motorleistung" (bzw. die Stromaufnahme) gemessen werden kann: Wie bei einem echten Leistungspr├╝fstand wird das Auto auf den Pr├╝fstand gespannt und die Hinterr├Ąder treiben geriffelte Walzen an. Aus diesen Teilen lie├če sich auch eine "laufende Strasse" bauen. So ein Modell m├╝sste ausger├╝stet sein mit speziellen Teilen f├╝r Radlager, Federung, g├Ąngiger Kardan, etc. Und: In welcher Auflage lie├če sich so etwas verkaufen? 500 oder 2000 St├╝ck?

 

Laut glaubhafter Aussage der TAMIYA-Leute verlangen die meisten Firmen, deren Fahrzeuge sie als Modell herstellen, keine Lizenzgeb├╝hren. Ganz im Gegenteil: "100.000 Mal das eigene Logo in exklusiver Spielzeug-Sammlerqualit├Ąt rund um die Welt in Spielzeugregalen zu haben, ist f├╝r die meisten Firmen Grund genug, uns das Logo kostenfrei zu ├╝berlassen" sagten die TAMIYA-Leute sinngem├Ą├č.

 

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