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GAAAAS, GAAAAS... und abends lebenden Fisch

Japan-Tagebuch Kapitel 09 - Ende November 1999

 

Am nächsten Morgen dann Treffen mit seinen Kunden vor Gastgeber-sans Laden, alle mit schnieken R 1150 GS, K 1100 RS, K 1200 RS, R 1100 RT, etc. Sie waren alle ganz hibbelig, wollten fahren. Doch vorher gab's noch mit viel Verbeugen und so das "Briefing": Gastgeber-san hielt mit einem elektrischen Megafon vor dem Mund eine Rede und jeder bekam eine Straßenkarte, man tauschte die Handynummern aus, falls einer verloren geht.

 

Kaum waren wir auf der Autobahn, begann es auch schon mit dem Verlorengehen: GAAAAAS, GAAAAAAS, VOLLGAAAAS!!!, die Japaner brechen ihr 80 km/h Speedlimit, das auf den japanischen Autobahnen für Motorräder gilt (Autos duerfen 100 fahren!) ja schon im Leerlauf! Immer VOLLE PULLE! VOLLE PULLE! GIB IHM! GIB IHM!

 

Wir haben dann bis 16 Uhr kräftig Kilometer geschraddelt, Gastgeber-san voraus, ich direkt an seinem Hinterrad, und immer GAAAAS! Unterwegs mußten wir so manche Pause machen, es ist echt nervenaufreibend, auf den immer vollen japanischen Autobahnen im Slalom durch die Autokolonnen und auf den schmalen japanischen Landstrassen im Gegenverkehr zu bolzen. Da raucht man schon mal zwei Zigaretten auf einmal bei der Pause, es könnten ja die letzten sein.

 

Gegen Einbruch der Dunkelheit, so kurz vor 17 Uhr, kamen wir in unserer Nachtunterkunft an, einem traditionellen japanisches Gasthaus: Mehrere Leute in einem mit Reisstrohmatten ausgelegten Schlafraum, zu betreten ohne Schuhe. Bischen rumliegen, wenig Fernsehgucken (zu dieser Zeit lief gerade ein mehrtägiges SUMO-Festival, das ist der Ringkampf der dicken Männer, die fast alle über 200 kg wiegen) dann ins heiße Massenbad - und Gastgeber-san meinte immer wieder, ich solle seinen Kunden meinen Schniepel zeigen, was sich nackt nie vermeiden läßt.

 

Um 19 Uhr japanisches Nachtessen: Fisch, Fisch, Fisch, Reis, Fischsuppe, Fisch, Krabben, Fisch, Austern, Muscheln. Der lange Fisch (so, hm, 50 cm?!) hat noch mit den Augen geblinzelt und mit den Kiemen gewackelt, die Languste noch mit den Fühlern gefühlt. Hinten waren sie beide aufgeschnitten und filettiert. Na gut, SUPER DRY und HOT SAKE und dazu rohen Fisch. Es geht so vieles im Leben, man muss nur wollen. MANN muss nur wollen ...

 

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