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Wo ich arbeite

Japan-Tagebuch Kapitel 13

 

Die BMW Japan Corporation hat vor zehn Jahren in Makuhari ein eigenes Büro-Hochhaus gebaut, es arbeiten etwas mehr als 400 Leute in der BMW GROUP Japan, die seit kurzem so heißt, seit Rover endgültig in den BMW-Konzern integriert ist.

 

Das BMW-Hochhaus war das dritte Bürohaus hier. BMW hat von der Gemeinde den Bauplatz fast geschenkt bekommen, damit überhaupt mal einer anfängt hier zu bauen und in der Hoffnung, dass noch mehrere Firmen dem BMW-Vorbild folgen. Heute ist das BMW-Hochhaus umringt von weitaus höheren Gebäuden, alle mit blitzsauberen Glasfassaden versehen, also klassische Industrie-Bauten der Zukunft. Es gibt hier noch reichlich Platz für weitere Gebäude, doch die kommen nicht - warum, kommt gleich.

 

Damals, also vor ca. 15 Jahren, als sich BMW entschloss, seinen japanischen Firmensitz nach Makuhari zu legen (die Stadt entstand damals gerade) und damit aus der Stadtmitte Tokyos wegzugehen, wo BMW Japan in drei gemieteten Häusern untergebracht war, da war die Zeit der japanischen Hochfinanz und BMW brauchte seine Autos in Japan nur zu verteilen, die Kunden haben sie damals den BMW-Händlern förmlich aus den Händen gerissen. Heute ist das ganz anders, es herrscht ein harscher Konkurrenzkampf, vor allem zwischen den Importeuren BMW, Daimler-Chrysler, Alfa Romeo, Jaguar, Volkswagen, etc.

 

BMW hat mit dem Firmensitz in Makuhari jetzt so eine Art Arschkarte gezogen und das will ich Euch kurz erklären: BMW verkauft hier in Japan nicht nur Autos, sondern auch eine Design-Kultur. Ein BMW gilt als Statussymbol, wer so ein Auto hat, ist der King im Stau sowie auf der Strasse.

 

Wer jedoch mit einem, auf die BMW-Niederlassung zugelassenen Fahrzeug unterwegs ist, dessen Nummernschild verrät ihn als Ciba-Bürger. Das ist, als wenn einer in Frankfurt mit einer OF-Nummer oder in München mit einer RO- (Rosenheim) oder LL- (Landsberg am Lech) Nummer auftaucht. Und weil auch die Telefonnummer von BMW Japan mit 04 beginnt, weiß jeder Japaner, der sich für einen BMW interessiert, die sind ja gar nicht in Tokyo, sondern im Außenbezirk, und denkt: "geht's der Firma so schlecht, dass sie sich Tokyo nicht leisten kann?" Das schadet dem BMW-Image erheblich.

 

Hinzu kommt, daß jeder Auto- und sonstiger Konsumguthersteller eine Tokyo-Adresse hat, haben muss, wenn er das darstellen möchte, was er denkt zu sein. Kunden, die ihr Auto entweder selbst abholen oder nur mal in der Niederlassung vorbeischauen möchten, um die Ausstellungshalle zu begehen und einen Kaffe zu trinken, die fahren ganz gewiss nicht nach Makuhari. Vorurteile, klar, aber leider wahr.

 

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