Illustration

Der Reifenmarkt in Japan

Japan-Tagebuch Kapitel 40 - Oktober 1999

 

Die beiden europäischen Reifenmarken Metzeler und Pirelli sind hier in Japan sehr unterrepräsentiert. An diesem Rennwochenende habe ich echte Rennmotorräder gesehen (Yamaha R6, R1, Suzuki GSX-R 750, Kawasaki GPZ 900 R), die hatten METZELER RACING drauf, auch PIRELLI CORSA war vertreten auf einer Ducati 996. Ihr wisst, wenn Rennfahrer diese oder jene Reifen fahren, dann müssen sie schon sehr überzeugt sein von ihrer Qualität. Allerdings konnten sie ihre Überzeugung nach außen hin nicht zeigen, denn sie hatten keine METZELER oder PIRELLI Aufkleber auf den Verkleidungen, sondern die von Michelin oder Dunlop. Damit stimmt für die Japaner erst mal die Optik; vielleicht seit neuestem auch das "Sponsorpaket".

 



Überreste einer Laternensicherung.
Auch eine Möglichkeit an einen Reifen zu kommen.


Ähnlich ist es im Kreisen der BMW-Fahrer. Ich habe schon mindestens zehn BMW-Händler besucht und war bei einer Wochenend-Ausfahrt des BMW-Clubs von Tokyo dabei (ca. 200 Maschinen). Ich sah nur einige wenige Metzeler- und fast gar keine Pirelli-Reifen. Der Fahrer einer alten R 100 RT erzählte mir, dass er nur Metzeler fährt, denn die gehörten schließlich zu einer BMW, die kämen ja auch aus München. Bitte lacht nicht, die Japaner denken, warum sie dieses oder jenes Motorrad fahren, ganz anders als wir Europäer.

 

Ich denke mir, dass der HELMUT DÄHNE hier einmal auftauchen sollte, um PR zu machen für seine zwei Herzens-Marken, nämlich METZELER und BMW. Wenn der lange Helmut hierher käme mit seiner alten, goldenen R 90 S aus den 70er Jahren und würde bei einem Rennen für moderne Veteranen mitfahren, die Japaner würden ausflippen. Aber erstens will der Helmut nicht nach Japan, weil da die Betten so kurz und die Decken so dünn sind und zweitens wird hier in jedem Lokal sogar während des Essens geraucht. Und das mag er überhaupt nicht.

 

Und drittens wird Metzeler für die paar tausend Reifen, die sie im Jahr nach Japan verkaufen, kein Geld ausgeben für eine großartige Dähne-Promotion. Denn die beiden japanischen Marken Dunlop und Bridgestone haben den hiesigen Reifenmarkt voll im Griff. Das liegt zum einen an deren Heimvorteil und zum anderen daran, dass es in Japan sehr verkrustete Handelsstrukturen gibt. Zwischen Hersteller und Endverbraucher liegen zwei, drei Stationen von Groß- und Zwischenhändlern, die auf jahrzehnte alten, persönlichen Bindungen beruhen. In diesen Strukturen gibt es teilweise noch nicht einmal festgeschriebene Verträge, es sind Abmachungen, die irgendwann einmal per Handschlag besiegelt wurden und immer und immer wieder bei langatmigen Geschäftsessen mit reichlich Bier und Sake gefestigt werden.

 

Daran hält sich der japanische Geschäftsmann und "unsere Marken" Metzeler und Pirelli haben sich daran ebenso zu halten wie Michelin. Manches ist in Japan eben anders als anderswo; vieles mehr, als man gemeinhin denkt. Japanisches Geschäftsleben ist traditionell eben so und nicht anders. Japanisch eben.

 

Copyright by FJS

 

Zu den Bildergalerien meines Japan-Tagebuch

 

Zurück zur Auswahl Japan-Tagebuch